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Die Diaphragmen des Körpers 

Quer verlaufende Strukturen im Fasziensystem und ihre Bedeutung für Gesundheit und Selbstregulation

Wenn wir an unseren Körper denken, stellen wir uns häufig Muskeln, Knochen und Organe vor. Doch was alles miteinander verbindet, stabilisiert und Bewegungen erst möglich macht, ist ein fein abgestimmtes Netzwerk: das Fasziensystem.

In der Osteopathie betrachten wir den Menschen nicht als Summe einzelner Teile, sondern als funktionelles Gesamtsystem. Besonders spannend sind dabei die sogenannten Diaphragmen – quer verlaufende Strukturen, die wie Schaltzentralen im Körper wirken.

Sie verbinden Organe, Muskeln, Nerven, Gefäße und das Nervensystem miteinander und spielen eine zentrale Rolle für Atmung, Verdauung, Durchblutung, Lymphfluss, Stressregulation und Körperhaltung.

Was sind Faszien?

Das verbindende Netzwerk unseres Körpers

Faszien sind dünne, aber sehr belastbare Bindegewebshüllen, die Muskeln, Organe, Nerven, Gefäße, Gelenke und sogar das Gehirn umgeben und miteinander verbinden.

Man kann sie sich vorstellen wie einen elastischen Taucheranzug, der unseren gesamten Körper durchzieht und in Form hält. Über dieses Netzwerk werden Kräfte, Spannungen und Bewegungen im ganzen Körper verteilt.

Faszienketten – die Bahngleise des Körpers

Die meisten Faszienverbindungen verlaufen longitudinal, also von oben nach unten. Diese sogenannten myofaszialen Ketten funktionieren wie Bahngleise, auf denen sich Zug- und Druckkräfte im Körper fortsetzen können.

Doch es gibt noch eine zweite, ebenso wichtige Ebene: quer verlaufende Strukturen – die Diaphragmen.

Diaphragmen – die Bahnhöfe im Fasziensystem

Zusätzlich zu den längsverlaufenden Faszienketten besitzt der Körper mehrere quer verlaufende Strukturen, die wir Diaphragmen nennen.

Sie funktionieren wie Bahnhöfe im Schienennetz:
Hier kreuzen sich Kraftlinien, Spannungen werden umgeleitet, Druck wird reguliert und verschiedene Körpersysteme miteinander verbunden.

Sie trennen Körperräume voneinander und verbinden gleichzeitig:

  • Skelett

  • Muskeln

  • Faszien

  • Organe

  • Gefäße

  • Lymphsystem

  • Nervensystem

in horizontaler Richtung.

Die fünf Diaphragmen des Körpers

In der Osteopathie sprechen wir klassischerweise von fünf Diaphragmen:

  • Tentorium cerebelli (Schädelmembran im Gehirn)

  • Kiefer, Mundboden und Zunge

  • Obere Thoraxapertur (Übergang Hals–Brustkorb)

  • Zwerchfell (Diaphragma abdominalis)

  • Beckenboden

Diese Strukturen sind zentrale Schaltstellen für Bewegung, Spannungsausgleich und Selbstregulation.

Weitere spannende Verbindungsstellen sind das Kiefergelenk (TMJ) und Iliosakralgelenk (ISG), die wie Lastverteiler & Stabilisatoren wirken.

Der Psoas-Muskel (Hüftbeuger), der deine Wirbelsäule mit den Beinen verbindet, hat faszialen Verbindungen sowohl zu deinem Zwerchfell als auch zu deinen Kiefermuskeln. Hauptsächlich über die sogenannte tiefe Frontallinie des Körpers, die Beckenboden, Zwerchfell, Halsmuskulatur und Kiefer miteinander verbindet, sowie über nervale Bahnen wie den Vagusnerv.

Der Kiefer und der Beckenboden reagieren sehr empfindlich auf physischen und emotionalen Stress:

  • Angst, Überforderung oder Bedrohung → Kiefer verkrampft

  • Beckenboden zieht sich reflexartig zusammen

  • Die Atmung wird flacher → Zwerchfell verspannt

Wusstest du schon?
Übermäßige Kieferspannung steht in Zusammenhang mit Beckenschmerzsyndromen, insbesondere bei Frauen, da sich die Nervenwurzeln teilen (Schädel ↔ Kreuzbein).

Spannungsmuster sichtbar machen

Wenn Kiefer und Beckenboden verspannt sind, zeigt sich das oft in der Körperhaltung:

  • Nach vorne geneigter Kopf

  • Rundung im oberen Rücken

  • Kippung des Beckens

  • Verspannte Hüftbeuger

  • Kompression im unteren Rücken

Das Tensegrity-Modell – warum alles miteinander zusammenhängt

Um bildlich besser zu verstehen, wie Diaphragmen und Spannungsmuster miteinander in Verbindung stehen, nutzen wir in der Osteopathie das Tensegrity-Modell.

Dabei handelt es sich um eine Struktur, bei der sich einzelne Stäbe nicht direkt berühren, sondern über ein Netz aus Seilen miteinander verbunden sind. Druck- und Zugkräfte halten sich gegenseitig im Gleichgewicht – ein selbsttragendes, stabiles System.

Genauso funktioniert auch unser Körper. Knochen entsprechen den Stäben, Faszien, Muskeln und Bänder den verbindenden Seilen.

Spannungskommunikation – wenn Beschwerden „wandern“

Über das Fasziensystem können Spannungen von einem Ort zum anderen weitergeleitet werden – selbst dann, wenn die Regionen anatomisch weit voneinander entfernt liegen.

Dieses Phänomen nennt man Spannungskommunikation.

Dabei spielen die Diaphragmen eine besondere Rolle:
Sie wirken wie Knotenpunkte, an denen sich Spannungen umlenken und im ganzen Körper verteilen können – dreidimensional.

Wie arbeiten die Diaphragmen im Körper zusammen?

Die Diaphragmen sind nicht nur passive Trennwände. Sie arbeiten aktiv zusammen und erfüllen mehrere zentrale Aufgaben:

  • Regulation von Druckverhältnissen

  • Unterstützung der Atmung

  • Förderung von Durchblutung und Lymphfluss

  • Ermöglichung von Organbewegungen

  • Versorgung der Zellen mit Sauerstoff

Das Zwerchfell und der Beckenboden – ein starkes Team

Das Zwerchfell ist unser wichtigster Atemmuskel. Es trennt Brust- und Bauchraum und bewegt sich bei jeder Einatmung nach unten.

Der Beckenboden bildet das Gegengewicht zum Zwerchfell. Gemeinsam erzeugen sie den nötigen Druck, um:

  • venöses Blut zum Herzen zu transportieren

  • den Lymphfluss zu unterstützen

  • die Organe optimal zu versorgen

  • Stoffwechselprozesse anzuregen

Dein Zwerchfell verbindet Kiefer und Beckenboden wie eine Brücke.
Wenn es angespannt ist, spannen sich oft auch Kiefer und Becken an – eine enge, funktionelle Verbindung, die die Stabilität des Rumpfes, die Körperhaltung und die Stressreaktion unterstützt.

Atemstillstand bei Stress
Wenn wir wütend, ängstlich oder überfordert sind, halten wir oft den Atem an. Das erhöht die Spannung im Becken und Kiefer – oft unbemerkt.

Der Vagusnerv – Verbindung von Diaphragmen, Nervensystem und Entspannung

Ein zentrales verbindendes Element zwischen allen Diaphragmen ist der Nervus vagus.

Er ist der wichtigste Nerv des Parasympathikus – unseres Ruhe- und Regenerationssystems. Er entspringt im Gehirn, verläuft über Hals und Brustraum bis in den Bauchraum und versorgt große Teile der inneren Organe.

Ein gut funktionierender Vagusnerv trägt zu:

  • besserer Verdauung

  • Stressregulation

  • gesunder Herzfrequenz

  • stabilem Immunsystem

  • innerer Balance

bei.

Welche Beschwerden können bei gestörten Diaphragmen auftreten?

Sind Diaphragmen in ihrer Beweglichkeit eingeschränkt, können unter anderem folgende Beschwerden entstehen:

  • Atembeschwerden

  • Zwerchfellverspannungen

  • Lendenwirbelsäulenbeschwerden

  • Kieferknirschen

  • Schulter- und Nackenschmerzen

  • Kopfschmerzen

  • Stressinkontinenz

  • Verdauungsprobleme

  • Gefühl von Instabilität oder „Schiefe“

Warum die Osteopathie hier ansetzt

Viele Beschwerden sind funktioneller Natur und lassen sich bildgebend nicht erklären. Sie entstehen im Fasziensystem.

Die Osteopathie sucht nach den Spannungsursachen im Körper und unterstützt die natürliche Selbstregulation durch gezielte manuelle Techniken.

Fazit: Gesundheit entsteht durch Verbindung und Bewegung

Unsere Gesundheit basiert auf dem harmonischen Zusammenspiel von Faszien, Diaphragmen, Atmung, Durchblutung, Nervensystem und Organbewegung.

Die Diaphragmen sind dabei zentrale Schaltstellen unseres Körpers.

Ein freies Zwerchfell beispielsweise bedeutet nicht nur bessere Atmung, sondern mehr Energie, Stabilität und innere Balance.

Osteopathische Behandlung

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Die Autorin:

Franziska Schulz, Osteopathin i.A.

in Köln-Ehrenfeld

Vom Befund, zur Behandlung und in die Bewegung.

Wir berühren – wir bewegen.