Schmerzsyndrome im Homeoffice

Durch die Corona-Lockdowns bieten 60% der Unternehmen in Deutschland ihren Mitarbeitern die Möglichkeit an im Homeoffice zu arbeiten (Quelle Statista). Was im ersten Moment als tolle Lösung erscheint, entpuppt sich nach mittlerweile knapp einem Jahr für viele als zermürbende Herausforderung. Statt einer Erleichterung durch Heimarbeit hat für einen Großteil der Homeofficler die Belastung eher zugenommen – auf Kosten der Gesundheit.

Zu welchen körperlichen Beschwerden führt die Arbeit im Homeoffice?

Es hat eine Verschiebung im Bereich der Konsultationsgründe für Osteopathie gegeben. Die Ursache Homeoffice – bzw. ihre Folgen. Dabei ist zu beobachten, dass es eine Anhäufung von bestimmten Problemen bei unseren Patienten in den Homeoffice-Phasen kommt.

Auf der biomechanischen und faszialen Ebene ist primär eine verändertes Atemmuster bei den Schmerzleidenden anzufinden (Verlinkung zu Zwerchfell und Atmung). Auf der strukturellen Ebene sind Veränderungen im Fasziensystem an Schlüsselstellen zu finden. 

Homeoffice ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits hilft es die Kontakte untereinander zu begrenzen, andererseits kann es zu Stressreaktionen des Körpers führen. Dies geschieht meist dann, wenn es zu einer Vermischung von Arbeit und Privatleben ohne klare Trennung kommt. Bei Stress erhöht sich die Atemfrequenz und flacht gleichzeitig in der Tiefe ab. Die Konsequenz ist eine Schwächung der Zwerchfellfunktion. Das Zwerchfell verliert in Teilen seine normale Stützfunktion von Wirbelsäule und Brustkorb. Es kommt zu Verspannungen, die innerhalb des Brustkorbes und des Bauch- und Beckenbereiches liegen. Lesen Sie mehr in unserer Gesundheitsnews zum Thema Zwerchfell und Atmung.

Außerdem sorgt Stress für die Ausschüttung von Stresshormonen. Diese wiederum beeinflussen das Fasziengewebe. Die Spannung in den Faszien nimmt zu. Dies wurde nachweislich durch den Faszienforscher Robert Schleip der Uni Ulm bestätigt.

Innerhalb des Fasziensystems existieren Faszienketten, die verschiedene Aufgaben besitzen. Speziell eine Kette neigt dazu, in Stresssituationen zum verkürzen. Es handelt sich dabei um die oberflächliche vordere Kette – Sie ist hauptsächlich an der Körpervorderseite zu finden. Dies hat mit dem evolutionsrelevanten Kampf- und Flucht-Reflex zu tun. Bei Gefahr duckt man sich automatisch und schützt die lebensnotwendigen Bauchorgane. Hält nun der erlebte Stress über längeren Zeitraum an, entsteht dadurch ein Ungleichgewicht zwischen der vorderen und der hinteren Faszienkette, die sich im Normalfall gegenseitig ausgleichen und Unterstützen. Eine Erhöhung der Faszienspannung steigert außerdem gleichzeitig das Schmerzempfinden das wiederum zu Unwohlsein führt – der Teufelskreis ist perfekt.

Können dauerhafte Schäden aus der Arbeit im Homeoffice resultieren?

Prinzipiell sind alle Probleme, die aus Homeoffice-Gründen entstehen reversibel. Die Heilung hängt dabei von unterschiedlichen Faktoren ab wie beispielsweise von körperlichen Grundvoraussetzung sowie der mentalen Verfassung. Zu beachten ist, dass die Signale, die der Körper in Form von Schmerz oder Unwohlsein aussendet, nicht ignoriert werden sollten. 

Extreme Formen wie schmerzhafte Entzündungen und Bandscheibenvorfälle haben fast immer eine längere Vorgeschichte. Je länger der Körper mit Problemen zu „kämpfen“ hat, desto ungünstiger wirken sich die Folgen auf den Gesamtzustand aus erklärt Fabian Müller. Je mehr „Baustellen“ das allgemeine Gleichgewicht ungünstig belasten, desto weniger Energie steht dem Mensch für alle körperlichen Vorgänge wie Stoffwechsel, Statik und Wohlbefinden zur Verfügung.


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Sitzen das neue Rauchen – Wie arbeite ich gesund im Homeoffice?

Die Frage ist schnell und einfach zu beantworten – Am besten möglichst wenig, oder mit vielen Pausen in denen aufgestanden wird. Die Dosis bzw. Dauer bestimmt über die Auswirkung. Leider kommen viele Menschen im Homeoffice nicht umher auch längere Zeit zu sitzen, wir zeigen, wie es anders gelingt.

Rituale im Homeoffice

Bauen Sie Rituale ein. Sie helfen in Bewegung zu bleiben und bringen uns dazu monotone Tätigkeiten wie langes Sitzen zu verhindern. Dadurch tragen Sie maßgeblich zur Gesundheit bei. Setzen Sie sich kleine Anker

  • Achten Sie auf ausreichende Versorgung mit Wasser. Stellen Sie sich einen Timer, der Sie daran erinnert mindestens alle 30 Minuten ein halbes Glas Wasser zu trinken. Damit der Stoffwechsel und zelluläre Aktivität im Körper funktioniert, muss alles gut gespült werden! 
  • Immer wenn das Telefon klingelt, stehen Sie auf und atmen einmal tief durch, bevor Sie das Telefonat beginnen.

Wie sieht ein "gesunder" Arbeitsplatz im Homeoffice aus - alles zu Ergonomie und Ausstattung

Der Arbeitsplatz im Homeoffice sollte lichtdurchflutet sein, im besten Fall ist Ihr Arbeitsplatz vor einem Fenster. Durch Blicke aus dem Fenster in die Weite entspannt sich die Augenmuskulatur. Sie sorgt dafür, dass wir scharf sehen können. Stundenlanges auf den Bildschirm starren ermüdet die Augen. Folgen sind trockene Augen und Kopfschmerzen.

Ohne Sauerstoff geht es nicht! In der kalten Zeit läuft natürlich die Heizung, doch das schadet bei unsachgemäßem Gebrauch. Die Luft verbraucht sich mit der Zeit und wird trocken. Lösung: öfter Lüften, alle halbe Stunde (+ trinken). Dies wirkt trockenen Schleimhäuten im Nasen- und Rachenbereich entgegen und verhindert das Eindringen von Bakterien und Viren in die unteren Atemwege.

PC / Bildschirm

Ein großer und qualitativ guter Bildschirm entlastet die Augen und verhindert ein zu starkes Vorbeugen an den Bildschirm heran. Der Bildschirmoberrand sollte 1-3cm unterhalb der waagerechten Sehachse liegen. Der Abstand der Augen zum Monitor sollte mindestens 50 cm betragen.

Tisch/Steharbeitsplatz

Optimal eignet sich ein Steharbeitsplatz. Hier werden mehr Muskeln angesprochen als im sitzen. Fürs erste eigenet sich z.B. ein Partystehtisch. Eine platzsparende Variante bieten Konstruktionen die auf den Schreibtisch aufgestellt werden und damit Stehhöhe erreicht. Wer es sich leisten kann investiert in einen elektrisch höhenverstellbaren Bürotisch der sitzend und stehend genutzt werden kann. Es gibt sogar schon Modelle die einen elektrischen Timer besitzen und die Verstellung nach einer gewissen Zeit automatisch vornehmen.

Stuhl 

Wenn schon sitzen, dann aber bitte richtig.

Nicht jeder Stuhl eignet sich als Arbeitsplatz. Menschen die von ihrer Konstitution einen gesunden Beckenboden und gute Haltung haben genügt faktisch ein Holzschemel zum sitzen –  durch das Harte sitzen trainiert man damit gleichzeitig die Muskeln die nötig sind für eine gesunde Haltung. Soweit so gut. 

Da der Großteil der Menschen der westlichen Zivilisation schon vorbelastet ist, was die Haltung betrifft, ist ein ergonomisch verstellbarer Bürostuhl zu empfehlen. Dieser muss genau auf den Besetzer eingestellt sein, sonst hilft er nichts. Das heißt, sie sollten den Stuhl nicht mit jemand anderem Teilen. Auf folgende Basics in den Einstellungen sollten sie achten:

Sitzposition

Stellen Sie den den Stuhl und den Tisch so aufeinander ein dass Ihre Knie und  Ellenbogen einen 90°-Winkel aufweisen. Ellenbogen und Hände sind auf gleicher Ebene mit Maus und Tastatur. Die Füße müssen stabil auf dem Boden stehen. Ein Fußhocker kann hier eine Höhendifferenzen ausgleichen.


Online-Seminar zum Thema "gesundes Homeoffice"

Wir bieten für Firmen und Mitarbeiter ein Online-Seminar zu diesem Thema an! Gemeinsam mit Alexander Sowah, Personal Trainer und Gründer von Makeable Sports beleuchten wir in einem 1,5-stündigem Online-Seminar die Hintergründe zu den 11 Top-Schmerzfaktoren des Homeoffice. Außerdem erläutern wir aus osteopathischer Sicht die Auswirkungen auf den Körper anhand der Faszienketten, die am stärksten betroffen sind und geben wertvolle Ratschläge und Übungen mit, um den Lockdown gut zu überstehen. 

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Bleiben Sie gesund!